Montag, 1. September 2008

Tag zwei

Am zweiten Tag hat Hayati mich mit zwei Freundinnen auf einen Wanderausflug mitgenommen. Was genau mich erwarten würde wusste ich nicht. Also ab in den Bus, mit 30 anderen bekloppten Türken, von jung bis alt, war alles dabei. Bei einem Zwischenstop gibt es çay und etwas, was ich ich gefüllten Hefezopf nennen würde.

Hab ich bereits erwähnt, dass diese Stadt und ihre Menschen singen und singen?
Kaum zurück im Bus schlägt der Reiseleiter vor ein Lied anzustimmen. Eine Mitreisende bietet sich sofort an, ergreift das Mikro. In Deutschland würde wahrscheinlich jeder beschämt zu Boden schauen und hoffen, dass diese Showeinlage bald vorbei ist. Aber hier ist von Fremdschämen keine Spur. Plötzlich sitzen alle singend und klatschend auf ihrem Platz. Schön, wie Leute sich freuen können. Das Beeindruckendste an der ganzen Sache ist aber wohl, dass nicht nur die Vorsänger, sondern auch der ganze Rest ein Lied nach dem anderen auswendig durch den Bus schmettert. Wenn ich mal überlege, welches Lied ich von hinten bis vorne auswendig kann...ääh, lassen wir das. Das Singen geht auch beim Wandern weiter. Auf und ab den Berg. Dann wieder ab in den Bus und ich dachte das wars schon.

Doch dann hab ich mich verliebt! Ja genau.
Und zwar in mich selbst! Deniz. Das Meer. Auf einmal standen wir am schwarzen Meer. Karadeniz. Wie sehr habe ich es vermisst.
Ich will am Meer wohnen, jetzt sofort und für immer! Warum liegt Berlin nicht am Meer! Ich liebe das Meer! Ob das wohl an meinem Namen liegt? Den hab ich heute übrigens so oft gelesen und gehört wie schon lange nicht mehr.


Lessons learnt:
1. Wenn Türken nicht singen, dann tanzen sie (s. Video: Abschlussessen des Ausflugs)
2. Jetzt verstehe ich auf jeden Fall die türkischen Jugendlichen in Deutschland etwas besser. Jetzt ist klar, warum sie so oft in der Bahn laut über das Handy Musik hören.
In Deutschland singt niemand!!! Irgendwie müssen sie sich dieses wohlige Gefühl von Heimat ja selber verschaffen.

1 Kommentar:

isa belli hat gesagt…

ein beweis dafür wie schön es sein kann sein herkunfts-fährten zu erkunden! toll! :)