Mittwoch haben Magdalena und ich im Yildiz Park Richtung Ortaköy eine türkische Nachrichtensprecherin kennengelernt: Rana Elik. Mit ihr und ihrer Schwester, Mutter und Sohn haben wir dann spontan den Nachmittag im Park verbracht. Es ist immer gut wichtige Leute zu kennen! ;) Die Familie (Verwandte von Hayati) bei der wir gestern Abend zum Essen waren, war total aus dem Häuschen als ich das erzählt hab und meinte sie wäre wahnsinnig bekannt. Toll oder!? ;)
Nachdem wir uns dann doch irgendwann losreißen konnten ging es zu einer der meist fotografiertesten Moscheen in Istanbul, der Ortaköy Camii. Ortaköy ist außerdem für seine Kumpir bekannt. Kumpir ist eine Art riesen Pellkartoffel, die mit allem gefüllt wird, was gerade zur Hand ist: Oliven, Sucuk, Salat, Erbsen, Soßen, Olivenpaste, Champignons, Bulgursalat...da ist wirklich alles drin. Hört sich gewöhnungsbedürftig an, ist aber ziemlich lecker.
Danach begann das Abenteuer Heimreise. Diesmal bin ich ja nicht wie sonst an der Sprachschule eingestiegen. Wir waren also direkt an der Bosporus-Brücke über die normalerweise auch mein Bus fährt. Ich war nur unten am Wasser und die Brücke war hoch oben über mir. Irgendwo dort war auch meine Haltestelle...
Ich bin fast wahnsinnig geworden!!!
Ich bin geschlagenen 1 1/2 Stunden diesen Berg zum einen Ende der Brücke hoch geirrt... und ich hab wirklich keinen schlechten Orientierungssinn! (Auf den Bildern seht ihr einmal den Blick von unten und einmal von oben!) Ich hab sogar auf türkisch nach dem Weg gefragt und die Beschreibung verstanden, allerdings war um 7h Abends ein derartiges Chaos um die Brücke herum, dass ich nirgendwo lang kam. Hinzu kommt, dass es da eigentlich keine Richtigen Wege gibt. Man läuft praktisch an der Autobahn entlang! Man kann sich gar nicht vorstellen wie viele Autos sich auf einmal auf eine der vielen drei- bis vierspurigen Brückenauffahrten drängen können. Man steht mitten auf dieser Art Autobahn und irgendwo dazwischen gibt es Bushaltestelle. Und ich hab sie einfach nicht finden können! Wenn ich noch länger dort rumgeirrt wäre, wäre ich bestimmt an dem Feinstaub erstickt oder hätte mich freiwillig vor ein im Stau stehendes Auto geworfen.
Soweit zur gescheiterten Mission "Finde die Bushaltestelle".
Hier nun die Auflösung des Rätsels " Auf welche Art und Weise ist Deniz letztendlich nach Hause gekommen?": (Wenn ich das meinem Gastgeber erzählen würde, würde er mit Sicherheit einen Herzinfarkt bekommen.) Einer der älteren Herren, die ich eine halbe Stunde zuvor nach dem Weg gefragt habe, meinte, dass er auch in meinem Bezirk wohne, aber noch arbeiten müsse. Genau dieser ältere Herr hat mich schliesslich an dieser Brückenauffahrt stehen sehen und mir angeboten mich mitzunehmen. Ich bin ja schon eher eine von den Schisshasen und wäre niemals zu einem Fremden ins Auto gestiegen, wenn ich nicht wirklich dermaßen verzweifelt gewesen wäre!!
Auf der Fahrt hab ich dann rausgefunden, dass Nuretin früher 6 Jahre Lkw zwischen Istanbul und Stuttgart gefahren ist und sogar ein paar Brocken Deutsch konnte. Das hat mich aber nur bedingt von meiner Nervösität abgelenkt, ob ich auch wirklich da landen würde wo ich hin wollte. Ein fieses Gemisch aus Verzweiflung und Panik hat sich da für einen Moment in mir breit gemacht. Naja, schließlich ist doch noch alles gut gegangen. Hiermit verspreche ich auch hoch und heilig, dass das so schnell nicht wieder machen werde. Aber wie gesagt, wüßte Hayati das, ich dürfte wahrscheinlich die nächsten drei Wochen keinen Schritt mehr allein vor die Tür setzen.
Jetzt bin ich grad eine Woche hier und es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Wahrscheinlich weil hier aufgrund mangelnder Internet Infrastruktur kein regelmäßiger Mail-skype-studiVZ-Kontakt mit euch möglich ist.
Schrecklich, wenn man sich eingestehen muss, dass man total abhängig vom Internet ist.
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