Montag, 8. September 2008

Samstag


Es scheint mir als würde es je näher wir dem Oktober kommen nicht kühler, sondern heißer und heißer werden. Dieses Wochenende war es über 30 Grad. Wie heiß genau will ich gar nicht wissen.
Aber Touri bleibt Touri. Und so lassen es sie die beiden Deutschen Mädels natürlich nicht nehmen trotz Affen-Mittagshitze die Stadt zu erkunden. Auf der Fähre Richtung Goldenes Horn, war es schliesslich noch "total angenehm". Aber als wir dann den, im City Guide noch nicht mal erwähnten, Stadtteil Hasköy erkundet haben, hatten wir die Straßen komischerweise für uns. Die Stadtbewohner konnten sich wohl was besseres vorstellen als bei 30 Grad durch stickige Gassen die Hügel Istanbuls zu erklimmen. Naja, mehr Platz für uns.
Von Hasköy ging es dann weiter nach Eyüp. Die Eyüp Sultan Camii ist nach Mekka, Medina und Jerusalem die heiligste Stätte des Islam. Da hier angeblich ein Bannerträger Mohammeds begraben sein sollen, wollen viele Gläubige ebenfalls hier begraben werden. So zieht sich eine schier endlos erscheinende Zahl an Gräbern die Hügel um die Eyüp Sultan Camii hinauf.
Momentan ist Ramazan (Ramadan), der heilige Fastenmonat der Muslime. Fasten heisst: zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken! Nicht das die Stadt sowieso schon ein einziger Ausnahmezustand ist, an Ramazan ist es noch eine Million mal schlimmer. Und dann ist noch Samstag und wir sind an einer der heiligen Pilgerstätten. Man hat vor lauter Menschen wirklich nichts mehr gesehen. Bereits Nachmittags haben sie die Menschen mit ihren Decken und selbstmitgebrachtem Essen auf dem Vorplatz der Moschee niedergelassen um bei Sonnenuntergang (ca. 19:40h) gemeinsam das "Fasten am Abend zu brechen", genannt Iftar. Während des ganzen Monats stehen außerdem vor den bekannten und großen Moscheen riesige Zelte. In diesen Zelten wird Abends für hunderte von Menschen kostenlos Essen ausgeteilt. Dieses Essen ist eine Almosenspende von den Wohlhabenderen an die Bedürftigen im heiligen Monat. Die Stimmung ist einzigartig. Alle fiebern bereits Stunden vorher dem Sonnenuntergang entgegen. Jedes einzelne Restaurant, jeder Imbiss fängt bereits Nachmittags an sich auf einen riesen Ansturm am Abend vorzubereiten. Spätestens eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang bilden sich die Schlangen vor den Imbissen. Vor der Eyüp Sultan Camii wurde auch Stunden vorher das Essen herbeigeschafft, von zu Hause, aus den Zelten, von den Imbissen, um dann mit hunderten anderen zusammen Essen zu können. Und man kann gar nicht anders als sich mit Ihnen freuen, dass sie endlich essen dürfen, auch wenn man selber nicht fastet.
Allein wenn man Tagsüber irgendwo etwas essen geht bekommt man schon ein Gefühl dafür, wie wie schwer es sein muss den ganzen Tag ohne Essen und Trinken auszukommen. Wenn überhaupt jemand mit einem im Restaurant sitz, dann sind das Familien. Aber es essen allein die Kinder. Denn Kinder, ältere Leute, Kranke und Schwerstarbeiter müssen nicht fasten. Und die lassen sich natürlich Zeit. Und deren Eltern sitzen, meist schon total erschöpft daneben und dürfen nur zuschauen. Ich habe wirklich großen Respekt vor den Menschen, die es 28 Tage bei dieser Hitze den ganzen Tag ohne einen Schluck Wasser aushalten und nebenher noch Arbeiten, zur Schule gehen oder was auch immer machen.


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